Freimessungen nach der Sanierung ist bei Arbeiten im Gebäudebestand ein wichtiges Praxisthema. Die TRGS 524 konkretisiert die Gefahrstoffverordnung für Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen und muss je nach Schadstoff mit weiteren Regeln wie TRGS 519, TRGS 521 oder TRGS 402 zusammengedacht werden.
Der folgende Beitrag zeigt das Vorgehen praxisnah und mit Blick auf Planung, Baustellenablauf, Arbeitsschutz und Dokumentation.
Wer die Grundlagen zunächst systematisch einordnen möchte, findet dazu den Beitrag TRGS 524 Fachkunde – Leitfaden für sicheres Arbeiten in kontaminierten Bereichen. Die aktuelle Einordnung zur Gefahrstoffverordnung wird außerdem im Beitrag Gefahrstoffverordnung: die wichtigsten Änderungen erläutert.
1. Was bedeutet Freimessung?
Der Begriff Freimessung wird in der Praxis für Messungen nach Abschluss einer Schadstoffsanierung verwendet. Fachlich muss jedoch immer gefragt werden, für welchen Schadstoff, nach welchem Regelwerk und mit welchem Freigabekriterium gemessen wird.
2. Nicht jede Sanierung hat dasselbe Freigabeverfahren
Für Asbest existieren spezielle Vorgaben in der TRGS 519. Bei PCB, PAK, PCP oder anderen Schadstoffen können andere Bewertungsmaßstäbe, Sanierungsrichtlinien oder projektbezogene Kriterien gelten.
3. Asbest ist ein Sonderfall
Bei Asbestsanierungen sind die speziellen Anforderungen der TRGS 519 maßgeblich. Eine allgemeine TRGS-524-Betrachtung ersetzt diese Anforderungen nicht.
4. Visuelle Kontrolle vor Messung
Eine Luftmessung sollte keine mangelhafte Reinigung kaschieren. Je nach Verfahren ist vor der Freigabe eine sorgfältige visuelle Kontrolle des sanierten Bereichs wesentlich.
Praxis-Hinweis
Entscheidend ist immer die konkrete Tätigkeit. Derselbe Schadstoff kann je nach Zustand des Materials, Bearbeitungsverfahren, Dauer und räumlichen Bedingungen sehr unterschiedliche Schutzmaßnahmen erfordern.
5. Messziel festlegen
Zu klären ist, ob die Messung die Wiederfreigabe eines Bereichs, die Wirksamkeit der Reinigung oder eine Nutzerbelastung beurteilen soll.
6. Repräsentative Messbedingungen
Messort, Luftwechsel, Raumzustand und gegebenenfalls definierte Nutzungs- oder Aktivierungsbedingungen müssen zum anzuwendenden Verfahren passen.
Die praktische Umsetzung von Erkundung, Probenahme, Arbeits- und Sicherheitsplan, PSA und Luftmessungen wird auch im TRGS 524 + TRGS 521 Lehrgang der Fleming Akademie behandelt.
7. Unabhängigkeit und Qualität
Gerade bei Freigabeentscheidungen ist eine fachkundige, nachvollziehbare Probenahme und qualitätsgesicherte Laboranalytik entscheidend.
8. Grenz- und Richtwerte richtig anwenden
Ein Messwert darf nur mit einem dafür vorgesehenen Bewertungsmaßstab verglichen werden. Arbeitsplatzgrenzwerte, Raumluftrichtwerte und Freigabekriterien erfüllen unterschiedliche Funktionen.
Praxis-Hinweis
Entscheidend ist immer die konkrete Tätigkeit. Derselbe Schadstoff kann je nach Zustand des Materials, Bearbeitungsverfahren, Dauer und räumlichen Bedingungen sehr unterschiedliche Schutzmaßnahmen erfordern.
9. Dokumentation
Messprotokoll, Raumzustand, Messstellen, Messdauer, Geräte, Laborbericht und Bewertung sollten Bestandteil der Sanierungsdokumentation sein.
Sobald Tätigkeiten an asbesthaltigen Materialien betroffen sind, müssen zusätzlich die speziellen Anforderungen der TRGS 519 berücksichtigt werden. Für entsprechende Verantwortliche ist der Lehrgang nach TRGS 519 Anlage 3 die weiterführende Qualifikation.
10. Was passiert bei auffälligen Werten?
Dann ist nicht einfach erneut zu messen. Zunächst sollte die Ursache geprüft werden: unzureichende Reinigung, Restquelle, Verschleppung, Undichtigkeit oder ungeeignete Messbedingungen.
11. Freigabe als Prozess
Eine belastbare Freigabe kombiniert Sanierungsnachweis, Reinigung, Sichtkontrolle, gegebenenfalls Messung und dokumentierte Bewertung.
12. Fazit
Freimessung ist kein universeller Laborwert. Das richtige Verfahren hängt vom Schadstoff und dem einschlägigen Regelwerk ab.
Passende weiterführende Themen
Ergänzend sind die Beiträge Typische Fehler bei Arbeiten nach TRGS 524 und Praxisbeispiel: Gebäudeschadstoffe in einer Schule sinnvoll, weil sich die Themen bei realen Schadstoffprojekten unmittelbar überschneiden.
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